Geschwister-Scholl-Institut für Politikwissenschaft (GSI)
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Studierendensymposium

Seit dem Sommer 2009 veranstalt das Voegelin-Zentrum jährlich ein Studierendensymposium, bei dem Studierende im Hauptstudium sowie Doktoranden der Politikwissenschaft und benachbarter Disziplinen zu wechslenden Themen in 30-minütigen Vorträgen eigene Thesen präsentieren und mit den Teilnehmern diskutieren. Die Beiträge werden anschließend in überarbeiteter Form auf unserer Homepage veröffentlicht (zu finden unter der Rubrik "Veröffentlichungen"). Bislang gab es Veranstaltungen zu folgenden Themen:

 

1. Symposium, 4. Juli 2009:

„Postsäkulare Gesellschaft – postsäkulare Demokratie?“

habermas ratzingerThema des ersten Symposiums war die Frage, welche Konsequenzen aus den jüngsten Diskussionen über die „postsäkulare Gesellschaft“ für die Demokratie bzw. die Demokratietheorie zu ziehen seien. Nicht erst seit dem 11. September 2001 zeigt sich eine verstärkte Präsenz von Religion und religiösen Akteuren im öffentlichen Raum. Mit dem klassischen Verständnis von Moderne, das auf dem Säkularisierungsparadigma fußt, kann die Politikwissenschaft diese Herausforderungen nicht länger adäquat erfassen. So kommen viele Forscher zu dem Schluss, dass auch die Annahme einer strikten Trennung von Politik und Religion der Korrektur bedarf. Was aber hat das für die Demokratie zur Folge? Muss aus der liberalen eine „postsäkulare“ Demokratie werden? Ist die These der Resakralisierung haltbar und gilt sie auch für westliche Gesellschaften? Wie relevant ist die wieder erstarkte Religiosität wirklich? Ist die Rede von der „postsäkularen Gesellschaft“ nicht ihrerseits eine Übertreibung? In welchem Verhältnis stehen religiöser und liberal-demokratischer Wahrheitsanspruch und welche Konsequenzen ergeben sich daraus für die Demokratie? Wie sollen Demokratie und säkularer Rechtsstaat mit religiösen Positionen umgehen – zumal wenn diese sich nur schwer in den „overlapping consensus“ (Rawls) einfügen?

 

2. Symposium, 19. Juni 2010:

Europa – ein „christlicher“ Kontinent? Das Verhältnis der politischen, kulturellen und religiösen Dimensionen des europäischen Integrationsprojektes

europafahneWelche Bedeutung hat das christlich-abendländische Erbe heute noch für Europa, für seine politische Gestalt, für seine gesellschaftliche Wirklichkeit, für sein normatives Selbstverständnis? Wo steht Europa mit seinem historisch einmaligen Säkularismus heute? Wie bedeutsam sind dabei die innereuropäischen Unterschiede? Inwiefern kann man in Europa von einer „Renaissance“ der Religion sprechen? Und hätte eine solche für europäische Politik überhaupt Konsequenzen? Welche Rolle kann bzw. sollte (nicht nur christliche) Religion bei der Suche nach einer europäischen Identität spielen? Kann es so etwas wie eine europäische Identität (oder gar eine „Zivilreligion“) überhaupt geben? Ist sie überhaupt nötig? Und wenn ja, müsste eine solche nicht gerade in Europa eher dem Faktum von Pluralismus und Multikulturalismus Rechnung tragen?

 

3. Symposium, 16. Juli 2011:

Die Normativität des "Westens"

kompassNicht zuletzt durch den Ost-West-Konflikt bildete „der Westen“ eine das 20. Jahrhundert nachhaltig prägende Kategorie, unmittelbar politisch, aber auch normativ. Mit dem Zusammenbruch des Ostblocks schien dieser Westen triumphiert zu haben. Für die vergangenen zwei Jahrzehnte ist indes eine Verunsicherung über seine Bedeutung wie auch über seine normative Kraft zu beobachten. Was kann heute unter „Westen“ verstanden werden? Welche Funktion erfüllt diese Chiffre in den politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Diskursen und den weltweiten Transformationsprozessen? Hat sich der Westen zur kulturellen Grundlage und zum Leitbild einer world polity aufgespannt oder handelt es sich um ein historisch längst überholtes Ideologem? Gibt am Ende gerade die Frage nach dem „Westen“ Anlass, die politische Topographie jenseits der alten Raum- und Grenzsemantiken neu zu denken?

 

4. Symposium, 7. Juli 2012:

Wozu normative politische Theorie?

bücherbergEine einfache Frage, auf die es keine einfachen Antworten gibt. Eine Frage, die in besonderer Weise die Politikwissenschaft und ihr Selbstverständnis berührt. Wie verhält sich eine Sozialwissenschaft, sofern sie sich mit Max Weber als empirische Wirklichkeitswissenschaft versteht, zu Fragestellungen, die ganz offensichtlich jenseits des zweifelsfrei Feststellbaren liegen? Andererseits: Sind es nicht letzten Endes die normativen Implikationen des Politischen, die uns an seiner Erforschung erst wirklich interessieren (müssen)? Wieder andererseits: Wenn es in der postmetaphysischen Moderne keine normativen Wahrheiten mehr gibt, welchen Stellenwert hat dann eine wissenschaftliche Beschäftigung mit solch „unbeantwortbaren“ Fragen? Normative Fragen sind wichtig – aber wer ist zuständig? Philosophenkönige? Intellektuelle? Sozialwissenschaftler? Oder eben eine „normative“ politische Theorie? Was immer man darunter verstehen mag…