Geschwister-Scholl-Institut für Politikwissenschaft (GSI)
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Argumentieren und kritisches Denken im Politikunterricht. Didaktische Zugänge politischer Bildung für das Gymnasium.

Dozent(en) Michael Morasch
Zeit und Ort Mo 14-16 Uhr c.t., Oettingenstr. 67, HS

„Ebenso wichtig wie der Erwerb einer generellen Medienkompetenz ist es, die Grundzüge unserer psychischen Bauweise und die vielen Biases [Vorurteile, Neigungen, Verzerrungen] kennenzulernen, die unser Denken und unsere Wahrnehmung beeinflussen. Die Wirkweise von Biases zu begreifen, fällt in den Bereich des sogenannten kritischen Denkens („critical thinking“). In Deutschland ist es nahezu unmöglich, systematisch in diesem Bereich ausgebildet zu werden. Das ist eine Katastrophe. Denn im kritischen Denken geht es um die Stärkung ganz grundlegender analytischer Denkfähigkeiten. Wer kritisch denken gelernt hat, kann vernünftig mit Argumenten umgehen, Gründe gegeneinander abwägen, Evidenzen und Quellen bewerten, logische Fallstricke erkennen, Statistiken auswerten und – wie gesagt – Biases entgegenwirken.“ (Romy Jaster und David Lanius: Die Wahrheit schafft sich ab. Wie Fake News Politik machen, Stuttgart 2019, S. 106). Pointierter könnte man die Ziele des Seminars kaum zusammenfassen. Es widmet sich einerseits der Frage, wie ein überzeugendes Argument aufgebaut ist und welche Fehlschlüsse bzw. Scheinargumente existieren, die uns in alltäglichen Diskussionen oft untergeschoben werden (Autoritäts-, Traditions-, Ad Hominem-Argument, falsches Dilemma, Strohmann etc.). Kreative und praktische Übungen sollen hier zugleich ein Erfahrungswissen für den Unterricht bilden. In einem weiteren Schritt geht es dann (in exemplarischer Auswahl) um die angesprochenen Biases, also problematische Denkmuster, denen wir alle qua unseres Menschseins unterliegen (Confirmation Bias, Halo-Effekt, Forer-Effekt, In-Group/Out-Group Bias etc.), bevor wir uns (noch) konkreter der politischen bzw. politikdidaktischen Dimension des Seminarthemas widmen werden: v.a. Politisches Framing, Demokratie-Fehlkonzeptionen, Vorurteile über Politiker:innen, Verschwörungstheorien, Rechtspopulismus, Fake News. Im Zentrum werden somit die Urteils- sowie die Handlungskompetenz stehen, aber in einem ersten Schritt wollen wir uns allgemeine Grundlagen der Kompetenzorientierung erarbeiten. In diesem Zusammenhang soll zunächst ein kritischer Blick auf das deutsche Schulsystem erfolgen: Sind die lernpsychologischen und neurobiologischen Grundlagen für erfolgreiches und sinnhaftes Lernen bzw. für einen erfolgreichen Kompetenzaufbau bei den Schüler:innen überhaupt gegeben?

Literatur:
Gerald Hüther, Mit Freude lernen – ein Leben lang. Weshalb wir ein neues Verständnis vom Lernen brauchen, Göttingen 2016; Markus Herrmann u.a., Schlüsselkompetenz Argumentation, 2. aktual. Aufl., Paderborn 2012; Wolfgang Weimer, Logisches Argumentieren (Reclam: Texte und Materialien für den Unterricht), Stuttgart 2015; Rolf Dobelli, Die Kunst des klaren Denkens / Die Kunst des klugen Handelns, München 2012 u. ö.; Weitere Literatur wird in der ersten Seminarsitzung bekanntgegeben.

https://lsf.verwaltung.uni-muenchen.de/qisserver/rds?state=verpublish&status=init&vmfile=no&publishid=806014&moduleCall=webInfo&publishConfFile=webInfo&publishSubDir=veranstaltung


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