Geschwister-Scholl-Institut für Politikwissenschaft (GSI)
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Publikation "Wettstreit um Deutung: Rechtsradikale Politik und narrativer Parteienwettbewerb am Beispiel der Slowakei und Ungarn"

von Dr. Bartek Pytlas

22.02.2019

Der Artikel ist in der Zeitschrift für Vergleichende Politikwissenschaft erschienen und ist auf der Webseite des Journals verfügbar.


Abstract (Deutsch)

In den letzten Dekaden konnte rechtsradikale Politik zunehmende Salonfähigkeit in der Mitte des gesellschaftspolitischen Mainstreams erlangen. Basierend auf klassischer und aktueller Forschung zielt der Beitrag daher darauf, Wettbewerbsmechanismen rechtsradikaler Politik im politischen Prozess zu untersuchen. Um diese dynamischen und interaktiven Prozesse tiefer zu verstehen, ist es notwendig, die Perspektive um die narrative Dimension des Wettbewerbs zwischen rechtsradikalen Herausforderinnen und ihren konventionellen Konkurrentinnen zu erweitern. Parteienwettbewerb ist nicht nur ein räumlicher Wettstreit um Besetzung von Themenpositionen, sondern auch ein Wettstreit um ihre distinktive und dominante Deutung. Die Politisierung der sog. „Flüchtlingskrise“ in der Slowakei und Ungarn nach 2015 eignet sich für eine systematische Untersuchung des Framing-Wettbewerbes zwischen rechtsradikalen Herausforderinnen und konventionellen Regierungsparteien. Eine computergestützte qualitative Datenanalyse von Online-Parlamentswahlkampagnen liefert empirische Evidenz, dass konventionelle Parteien nicht „bloß“ restriktive asylpolitische Positionen übernommen haben, sondern diese auch mithilfe nativistischer Bedrohungsnarrative legitimiert haben. Fidesz in Ungarn besetzte die Agenda dabei mit einem eigenen übergreifenden rechtsradikalen Generalnarrativ. Trotz narrativer Kopierstrategien konnten rechtsradikale und rechtsextreme „Originale“ gleichzeitig ihre normalisierten Bedrohungsszenarien auf andere Themen kollektiver Identitätspolitik erweitern (Slowakei) oder ihre nativistischen Frames als vermeintlich „entideologisierte“ Kompetenzpolitik diskursiv umpacken (Ungarn), und somit ein Alleinstellungsmerkmal im Parteienwettbewerb beibehalten. Die Befunde haben einen konzeptuellen und analytischen Mehrwert für die Erforschung vom rechtsradikalen Agenda-Setting, Framing und Wettbewerbsstrategien auch jenseits der untersuchten Fälle. Die Analyse erlaubt zugleich ein tieferes Verständnis der Normalisierungsprozesse rechtsradikaler Politik und ihrer Auswirkung auf europäische Parteiensysteme und liberale Demokratie.
"Contest over meaning: Radical right politics and narrative party competition in Slovakia and Hungary after 2015"


Abstract (Englisch)

In recent decades, radical right politics increasingly entered the political mainstream. Against this background, this contribution explores mechanisms of radical right agency in the political process. Based on extant research it argues that in order to better understand these dynamic and interactive processes we need to expand our optic towards the narrative dimension of party competition between radical right challengers and their conventional competitors. Party competition is not only a spatial contest over ownership of issues, but also a contest over their dominant meaning (frame ownership). The politicization of the so-called ‘refugee crisis’ in Slovakia and Hungary after 2015 provides crucial cases to systematically explore framing strategies of radical right challengers and conventional government parties. Computer-assisted qualitative data analysis of online election campaigns provides empirical evidence that conventional parties did not ‘merely’ adopt restrictive positions on asylum policy, but also legitimized them with nativist threat narratives. Fidesz in Hungary demonstrates a case where a conventional government party dominated the agenda with its own overarching radical right master frame. Despite these copying strategies, radical and extreme right ‘originals’ managed to keep their distinctive feature in party competition by shifting their normalized threat scenarios to other issues of collective identity policy (Slovakia) or by ‘repackaging’ nativist frames as allegedly ‘de-ideologized’ expert politics (Hungary). The findings have broader implications for researching radical right agenda-setting, framing and competition strategies. The analysis also contributes to a deeper understanding of mainstreaming processes of radical right politics and its impact on European party systems and liberal democracy.


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