Geschwister-Scholl-Institut für Politikwissenschaft (GSI)
print

Sprachumschaltung

Navigationspfad


Inhaltsbereich

Politische Systeme

In der Disziplin "Politische Systeme" werden zunächst die theoretischen Grundlagen politischer Systeme erarbeitet, wobei sich das besondere Augenmerk auf die Berücksichtigung der demokratietheoretischen Vorgaben und Gegebenheiten richtet. Im Mittelpunkt der Lehrtätigkeit in dieser Disziplin stehen sodann die Typen, Strukturprinzipien und Institutionen sowie vor allem auch die Funktionsweisen politischer Systeme. Untersucht wird dabei nicht zuletzt auch ihre Abhängigkeit von inner- und zwischenstaatlichen Einflussgrößen.

Die Lehrtätigkeit in diesem Kernbereich der Politikwissenschaft läßt sich am besten mit Hilfe der drei Dimensionen des Politikbegriffes aufzeigen, die heute zumeist mit den amerikanischen Termini polity, politics und policy umschrieben werden.

Im Bereich polity geht es um die Form politischen Handelns, also vor allem um Normen und Institutionen: Untersucht werden unter dieser Rubrikdie Organisation und die rechtlichen Grundlagen von Regierung, Verwaltung und Parlamenten.

Die Analyse der einzelnen politischen Systeme wird – je nach thematischer Ausrichtung – von den verschiedenen Lehreinheiten unterschiedlich akzentuiert betrieben. Einen Schwerpunkt bildet die umfassende Bearbeitung des deutschen politischen Systems einschließlich seiner politischen Geschichte und Verfassungsgeschichte. Daneben werden andere politische Systeme vergleichend untersucht. Hierbei werden auch die Dynamik politischer Systeme – insbesondere Demokratisierungsprozessen und ihr Scheitern – sowie die Funktionslogik moderner nicht-demokratischer politischer Systeme analysiert. Darüber hinaus geht es um Inhalte, Strukturen und Prozesse der Europäischen Union sowie um die Wechselwirkung zwischen nationalstaatlicher und supranationaler Politik. Weitere Themenfelder im Bereich polity sind die politische Kultur sowie die Staatsorganisationsstrukturen mit den Aspekten Föderalismus, Regionalismus und Kommunalpolitik.

Einen anderen thematischen Schwerpunkt im Lehrbereich Politische Systeme stellen die Willensbildungs- und Entscheidungsprozesse innerhalb der staatlichen Institutionen sowie in den Parteien und politisch relevanten Interessengruppen und deren Vermittlung durch die Medien dar. Dieser Aspekt der sogenannten politics analysiert die Akteure des politischen Systems: Amts- und Mandatsträger, Mitglieder von Parteien, Verbänden, sozialen Bewegungen und Kommunikationsmedien werden auf Rekrutierung, Leistungsfähigkeit, Legitimität, Interessen und Formen der Interessenwahrnehmung hin untersucht.

Auch hier werden von den verschiedenen Lehreinheiten unterschiedliche Gewichtungen vorgenommen. Beispiele dafür bilden Veranstaltungen zur Demokratie- und Einstellungsforschung (Staats-, National-, Geschichtsbewußtsein; Einstellungen zur europäischen Integration und generell zum Verhältnis Bürger und Staat). Zum Bereich politics gehört u. a. auch die Frage der politischen Partizipation der Frau. Dieser Aspekt der politikwissenschaftlichen "Gender Studies" ist aus dem Lehrbetrieb des Geschwister-Scholl-Instituts nicht mehr wegzudenken.

Auch das dritte grundlegende Forschungsgebiet im Bereich der politischen Systeme stößt bei den Studierenden auf großes fachliches Interesse; die Beschreibung und Erklärung der materiellen Ergebnisse von Politik, also der Bereich policy, vermittelt Sachkenntnisse, die gerade im Arbeitsfeld der Politikberatung von großem Nutzen sein können. Lehrveranstaltungen zur Politikfeldanalyse bzw. zur Erforschung von Staatsaufgaben erarbeiten den Inhalt, die Determinanten sowie die Wirkungszusammenhänge staatlicher Politik. Von besonderer Bedeutung ist dabei die Bewertung von Politik anhand der Qualität ihrer konkreten Ergebnisse (Evaluation), der Veränderungen, die sich bei den Adressaten der Politik beobachten lassen sowie ihrer beabsichtigten wie unbeabsichtigten Auswirkungen. Aus dem umfangreichen Bereich der Politikfeldanalysen seien nur einige wichtige herausgehoben wie etwa Deutschlandpolitik und insbesondere die Folgen der deutschen Einheit, Sozialpolitik und Umweltpolitik.

Für alle drei Lehr- und Forschungsbereiche (polity, politics und policy) gilt, dass neben der Untersuchung einzelner politischer Systeme die Studierenden vor allem auch zu komparatistischen Studien angeleitet werden. Unter Bezug auf Verfassungstext und Verfassungswirklichkeit werden die institutionellen und prozessualen Bedingungen von Politik in verschiedenen politischen Systemen untersucht und systematisch miteinander verglichen.

Dabei geht es um den Vergleich politischen Handels vor dem Hintergrund der unterschiedlichen Strukturtypen, der Unterschiede in Geschichte, Tradition und politischer Kultur sowie der unterschiedlichen internationalen Verortung und Einbindung. Diese komparative Komponente befähigt die Studierenden zur Herausarbeitung von Gemeinsamkeiten und Unterschieden einzelner Systeme, zur Bewertung der Vor- und Nachteile einzelner Systemtypen unter dem Aspekt von Effizienz und Transparenz und erlaubt ihnen etwa die Angemessenheit von Reformkonzepten kritisch zu beurteilen. Darüber hinaus erlaubt ein differenzierter Systemvergleich die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem eigenen politischen System und dessen Vorzügen und Schwächen, aber auch die Einsicht in deren jeweilige Bedingtheiten.

Literatur

  • Görtemaker, Manfred (1999): Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Von der Gründung bis zur Gegenwart. München: C.H. Beck.
  • Newton, Kenneth; Deth, Jan W. van (2010): Foundations of comparative politics. Democracies of the modern world. 2. ed. New York: Cambridge Univ. Press
  • Schmidt, Manfred (2005): Das politische System der Bundesrepublik Deutschland, München: C.H. Beck.
  • Sturm, Roland/Heinrich Pehle (2005): Das neue deutsche Regierungssystem. 2. Auflage. Wiesbaden: VS Verlag.
  • Stykow, Petra (2007): Vergleich politischer Systeme. Paderborn: Wilhelm Fink/UTB (UTB 2933)