Geschwister-Scholl-Institut für Politikwissenschaft (GSI)
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Internationale Beziehungen

Das Teilgebiet Internationale Beziehungen befasst sich mit grenzüberschreitenden politischen Prozessen und Institutionen, d.h. mit der Ausübung von Autorität jenseits des Staates. Diese Prozesse lassen sich in drei Interaktionsfelder unterteilen:

Erstens die Politik zwischen Staaten und deren Regierungen, die als „intergouvernementale“, oder – sofern nur untergeordnete Regierungsbehörden beteiligt sind – als „transgouvernementale“ Politik bezeichnet wird.

Zweitens der Bereich der „transnationalen“ Politik, d.h. die Beeinflussung politischer Prozesse durch nichtstaatliche Akteure, etwa Nichtregierungsorganisationen wie Ärzte ohne Grenzen oder multinationale Unternehmen wie Gazprom.

Drittens schließlich zählen hierzu auf der „supranationalen“ Ebene politische Entscheidungen und Prozesse in internationalen Organisationen wie der Europäischen Union, der Welthandelsorganisation oder den Vereinten Nationen.

Alle drei Interaktionsfelder sind Gegenstand von Forschung und Lehre am Geschwister-Scholl-Institut. Politikfelder, denen in der Lehre am GSI besondere Beachtung geschenkt wird, sind z. B. Sicherheitspolitik, Finanzen und Handel, Menschenrechtsschutz, Energie-, Gesundheits- sowie Entwicklungspolitik.

Die Vielschichtigkeit internationaler Politik spiegelt sich auch in einem zunehmend ausdifferenzierten Theoriekorpus des Teilgebiets wider. Neben den klassischen Kanon an „Theorieschulen“ und ihren Erklärungsangeboten zu Krieg und Frieden sowie den Bedingungen zwischenstaatlicher Kooperation sind Ansätze getreten, die sich mit Formen der Machtausübung jenseits des Staates oder der Wirkung und dem Wandel internationaler Normen auseinandersetzen. Mehr denn je knüpfen deshalb die Internationalen Beziehungen an die Vergleichende Politikwissenschaft und Politische Theorie/Philosophie, aber auch die Soziologie, die Rechts- und Wirtschaftswissenschaften, sowie die Geschichts- und Kulturwissenschaften an. In Auseinandersetzung mit dem europäischen Integrationsprozess hat sich zudem ein eigenständiges theoretisches Rüstzeug für die Analyse europäischer, aber auch zunehmend globaler Mehrebenen-Politik herausgebildet. Dieser Pluralismus wird auch in der Lehre und Forschung am GSI abgebildet, wobei der Fokus auf empirisch-analytischen Ansätzen liegt. Wir befassen uns also in erster Linie mit Theorien, die internationale Politik kausal zu erklären und interpretativ zu verstehen versuchen.

Einen theoretischen Schwerpunkt sowohl des Lehrstuhls für Internationale Beziehungen (Prof. Rittberger) als auch des Lehrstuhls für Global Governance and Public Policy (Prof. Zangl) bilden institutionalistische Ansätze. Diese befassen sich etwa mit der Wirkung internationaler Institutionen auf das Verhalten staatlicher und nichtstaatlicher Akteure sowie mit institutionellem Wandel über Zeit, beispielsweise hin zu einer stärkeren Verrechtlichung des Welthandels oder einer vertieften Europäischen Union. Auch das Zusammenspiel öffentlicher und privater Institutionen, etwa zwischen Finanzaufsichtsbehörden und privaten Ratingagenturen, rückt hierbei in den Blick. Ferner wird hier nach der Effektivität und demokratischen Legitimität internationaler Institutionen gefragt: Erfüllen internationale Institutionen wie die Europäische Union ihre Funktionen zuverlässig, oder überschreiten sie gar ihre Kompetenzen? Stellen sie sich öffentlicher Kritik und Forderungen nach demokratischer Mitbestimmung? Darüber hinaus sind auch diskurstheoretische Ansätze, die insbesondere den Bedeutungswandel politischer Begriffe und Normen untersuchen, zentraler Teil des Lehr- und Forschungsprofils am Geschwister-Scholl-Institut. Hier wird beispielsweise untersucht, welche unterschiedlichen Verständnisse von „Terrorismus“ die politische Debatte bestimmen, und wie sich dies in der Antiterrorpolitik spiegelt. Am Lehrstuhl Thurner stehen darüber hinaus mikro-orientierte und quantifizierende Ansätze im Mittelpunkt. Dabei werden einerseits formal-mathematische Theorien (z.B. Spieltheorie) zur Hypothesenbildung herangezogen. Andererseits werden diese mit den mittlerweile auch in den Internationalen Beziehungen vielfältig zur Verfügung stehenden Datensätzen statistisch überprüft. Anwendungsbeispiele sind Verhandlungen in der EU, die Diffusion von Internationalen Organisationen im Energiebereich, Korruptionsforschung etc.

Die theoriegeleitete Analyse internationaler Beziehungen auf der europäischen wie der globalen Ebene soll die Studierenden befähigen, internationale Politik kritisch zu durchdringen und systematisch zu erfassen. Dies ist für eine weitere wissenschaftliche Vertiefung in dem Bereich ebenso unabdingbar wie für die praktische Auseinandersetzung mit weltpolitischen Entwicklungen.

In den Veranstaltungen verwendete Lehrbücher

  • Tim Dunne/Milja Kurki/Steve Smith (2010): International Relations Theories: Disciplines and Diversity, 2nd edition, Oxford: Oxford University Press.
  • Bruce Bueno de Mesquita. (2010): Principles of International Politics: People’s Power, Preferences and Perceptions, 4th edition. Washington DC: CQ Press.
  • Dirk Leuffen/Berthold Rittberger/Frank Schimmelfennig (2013): Differentiated Integration: Explaining Variation in the European Union, Basingstoke: Palgrave Macmillan.
  • Simon Hix/Björn Hoyland (2011): The Political System of the European Union, 3rd edition, Basingstoke: Palgrave Macmillan.