
“This is the ‘NMUN effect.’ People develop the capacity to surmount great obstacles. This is a boost to anybody’s confidence and an invaluable asset in very realm of life. NMUN has invariably shaped and strengthened my character. All the knowledge that I acquired has conspicuously broadened my horizon. More importantly, NMUN has changed my outlook, as by representing different countries one learns to adopt other view points, which can at time be in contradiction to your own convictions. A change in perception is something that no university seminar will achieve. NMUN, however, does it.” (Rahul Sharma, NMUN 2006)
Das National Model United Nations (NMUN) ist die wichtigste akademische Simulation der Vereinten Nationen – jährlich in der Karwoche in New York in enger Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen und z.T. in deren Sitzungsräumen. Über 3600 ausgewählte Studenten/innen von mehr als 240 amerikanischen und kanadischen, aber auch europäischen und asiatischen Universitäten nehmen teil, was das NMUN auch Forum für Hochschulen aus allen Teilen der Welt macht.
Ziel der Simulation ist, im Rahmen der “simulierten” Ausübung multinationaler Diplomatie das Verständnis für internationale Beziehungen und deren Funktionieren zu fördern. Struktur, Themenschwerpunkte und Prozedere der Komitees des NMUN werden so realistisch wie möglich angelegt, so dass die Praxis von Interessenartikulation und Verhandlung von innen heraus verständlich werden und aktiv zu “erfahren” sind. Eine professionell vorbereitete Teilnahme daran ist ein aufwendiges Projekt.
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Seit über einem Jahrzehnt schickt die Universität München eine Delegation zum NMUN nach New York. Aus dem Kreis der Teilnehmer/innen des Vorjahres bildet sich am Geschwister-Scholl-Institut für politische Wissenschaft jeweils ein kompaktes “Organisations-Team”, dass von Reinhard Wesel und Christoph Leischwitz angeleitet den nachfolgenden Kurs und die Reisen vorbereitet und als soziales Gedächtnis die erworbenen Kenntnisse weitergibt. Die Teilnehmer werden
Die mindestens dreistündige eigentliche Lehrveranstaltung (jeweils im Wintersemester) vermittelt solide Kenntnisse über Theorie, Struktur und Funktionsweise der Vereinten Nationen, bevor intensiv die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen des von den Studenten/innen “vertretenen” Landes sowie der in den simulierten Gremien der Vereinten Nationen zu besprechenden Themen erarbeitet werden. Das Seminar wird mündlich wie schriftlich größtenteils englischsprachig abgehalten; wenigstens zwei Referate und ein knappes Dutzend Hausarbeiten und Essays auf der Basis eines meist erheblichen Rechercheaufwandes sind zu erbringen. Dieser akademische Teil der Vorbereitung soll über die Vermittlung und Diskussion systematischer Zusammenhänge auch einen Ausgleich dafür bieten, dass die Simulation notwendigerweise inhaltlich meist beschränkt ist auf die Positionen von Regierungen. Im praktischen Teil der Vorbereitung werden auf mindestens zwei mehrtägigen Simulationen gruppenintern und in Konkurrenz mit anderen Gruppen von anderen deutschen Universitäten Regeln, Verfahrensweisen und geschicktes Verhalten und Argumentieren intensiv eingeübt. Die Studenten/innen besprechen nicht nur unmittelbar vor der Simulation in New York mit Diplomaten der Vertretung “ihres” Landes bei den Vereinten Nationen die von ihnen zu vertretenden politischen Positionen, sondern sie werden außerdem durch Diplomaten und Mitarbeiter der Vereinten Nationen in einer einführenden Veranstaltung auf ihre Arbeit in den zu simulierenden Kommissionen vorbereitet.
Dies alles ermöglicht ein aktiv-engagiertes und problemorientiertes Erlernen von Sachkompetenz und wissenschaftlichen Arbeitsformen. Für nicht-amerikanischen Teilnehmer/innen ergeben sich weitere Lerneffekte weit über die UNO hinaus: Sie müssen erst einmal lernen, sich auf den Arbeits- und Diskussionsstil der Mitspieler/innen aus den USA und anderen Nationen einzustellen, woraus verschiedenste Erfahrungen mit den Problemen interkultureller Zusammenarbeit und multilateraler Diplomatie gewonnen werden. Es zeigt sich schnell, dass viele wichtige Punkte nicht in den Sitzungen, sondern in den informellen Besprechungen, vor allem der “regionalen Zusammenschlüsse”, diskutiert werden: also kommt es darauf an, Fähigkeiten der Verhandlungsführung und strategisches Gespür zu entwickeln, um sich gegebenenfalls gegen vehement argumentierende Konkurrenten als “Sprecher” einer Staatengruppe zu etablieren. Das National Model United Nation (NMUN) ist für die deutschen Teilnehmer/-innen keine Spielwiese für Möchtegern-Diplomaten, sondern ein hartes Trainings-Programm, das sowohl analytische als auch soziale Kompetenzen zu beweisen zwingt.
Die bisher erzielten Ergebnisse der NMUN-Projektgruppe der Ludwig-Maximilians-Universität bei den Simulationen in New York und die oft im Anschluss zu einem Auslandsstudium führende weitere Entwicklung ehemaliger Teilnehmer/innen zeigen, dass dieses Konzept die Studenten/innen erfolgreich auf ein selbständiges Arbeiten in einem internationalen Umfeld vorbereitet. Diese Vorbereitung ist allerdings nicht fachspezifisch zu sehen, sondern lässt sich auch auf andere Fachbereiche und Tätigkeiten ausweiten. Gerade in einem komplexer und globaler werdenden wirtschaftlichen Umfeld sind die hierbei erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten von unschätzbarem Vorteil.
Bei allen Teilnehmern haben sich die Fähigkeiten, in Englisch zu arbeiten und zu kommunizieren, rapide entwickelt bzw. verbessert. Junge Menschen, die noch im Spätsommer des Vorjahres kaum in der Lage waren, sich im kleinen Kreis korrekt und flüssig auf Englisch zu unterhalten, sprachen in der Karwoche in New York frei vor z.T. mehreren Hundert meist amerikanischen Studenten und schafften es vor allem, sich unter diesen in den informellen Diskussionen erfolgreich Gehör zu verschaffen. Das dazu nötige Selbstbewusstsein bezogen sie aus der Erfahrung, dass “es geht”, wenn man nur will, und vor allem aus ihrer intensiven und exzellenten inhaltlichen Vorbereitung. Alle haben ihre Leistungsfähigkeit methodisch wie fachlich in wenigen Monaten drastisch verbessern können, und sie haben zudem eine Vielzahl nützlicher sozialer Kompetenzen entwickeln bzw. ausbauen können.
Die LMU erhielt beim NMUN eine Vielzahl von Auszeichnungen für ihre Leistungen seitens der Veranstalter. Meist waren die Münchner sogar außerordentlich erfolgreich – so erwarben sie in den letzten Jahren regelmäßig mehrere Auszeichnungen (awards) der mittleren und höchsten Kategorie, wobei insgesamt nur ungefähr ein Fünftel der von delegates übernommenen Rollen überhaupt einen award erhält. Die Münchner Projektgruppe hat sich so in der Spitzengruppe aller am NMUN teilnehmenden Universitäten etabliert und unter den nicht-amerikanischen eine Ausnahmestellung erreicht: 2001 gingen von den insgesamt sieben awards, die von deutschen Universitäten bzw. universitären Gruppen errungen wurden, sechs an die Münchner und die mit Münchner Unterstützung neu aufgebaute Magdeburger Gruppe; 2002 gingen alle sechs awards für deutsche Universitäten an München und das Magdeburger Schwesterprojekt, im Jahr 2003 dann fünf von sechs; obwohl 2004, 2005 und 2006 die die Teilnehmerzahlen und besonders die Anzahl der teilnehmenden deutschen Gruppe stark gestiegen war, erhielten München und Magdeburg wieder je zwei Auszeichnungen, 2005 sogar jeweils in den höchsten Kategorien – und stehen damit auch unter den deutschen Teilnehmern an der Spitze. Im Jahr 2007 gelang ihnen dann ein neuer Rekord: Als “joint delegation” zusammen mit der Schwestergruppe der LMU Magdeburg vertraten sie die “United States of America (USA)”, die wichtigste und eine der schwierigsten Rollen beim NMUN, und zusätzlich die Rolle “Kyrgyzstan”; sie erarbeiteten sich damit vier Auszeichnungen der höchsten Kategorien. Im Anschluss an diesen Erfolg konnten die Münchner auch in den Folgejahren ihre starke Position halten und weiter ausbauen: im Jahr 2008 erhielt die Gruppe der LMU abermals je zwei awards in den höchsten Kategorien; 2009 konnte die Projektgruppe des GSI drei Auszeichnungen verbuchen, davon zwei in den höchsten Kategorien. Auch 2010 konnte dieser Erfolg fortgesetzt werden, zum einen durch die Ausrichtung des GerMun in Weimar sowie durch zwei awards in den höchsten Kategorien für die Rolle der „United Arab Emirates“. Dieser Trend setzte sich dieses Jahr fort, als den Münchnern in der Rolle der „Russian Federation“ (in einer joint delegation mit dem Projekt MadMun Magdeburg) neben zwei Auszeichnungen in den höchsten Kategorien auch mehrere „committee-awards“ – vergeben durch Mitdelegierte anderer Gruppen – verliehen wurden. Damit konnte der erfolgreichen und seit 11 Jahren bestehenden Kooperation mit Magdeburg ein weiteres Kapitel hinzugefügt werden.
München wird sich für das NMUN 2012 für hochwertige Rollen bewerben. Im Dezember findet eine erste mehrtätige Übungs-Simulation in München statt, bei der die ehemaligen Teilnehmer die neuen delegates trainieren. Im Februar 2012 wird die Münchner Gruppe GerMUN organisieren, mit mehr als 100 Teilnehmern die größte deutschlandweite UN-Simulationskonferenz der am NMUN mitwirkenden deutschen Universitäten.
Die Gesamtkosten pro Teilnehmer betragen je nach Dollarkurs bis zu zweitausend € (mehrmonatige intensive Vorbereitung, verschiedene Trainingskonferenzen, Flüge, Arbeits-Aufenthalt in New York). Bei etwa 700 € einzuzahlendem Eigenbeitrag (dazu kommen noch die Kosten für formelle Kleidung und die Lebenshaltungskosten in New York) ist für die Studenten die Grenze erreicht.
Internet: http://www.nmun-muenchen.de
Anerkennung: Bachelor-Studenten können nun die Teilnahme am Projekt NMUN in Form der „Vertiefungsübung Internationale Beziehungen“ (3. Sem.) als Prüfungsleistung einbringen. Für Magisterstudenten gibt es wie bisher einen Schein. Näheres dazu am jährlichen Informationsabend und im Seminar, sowie auf Nachfrage beim Team NMUN.
Kontakt und Information:
Dr. phil. Reinhard Wesel
Reinhard.Wesel@gse-w.uni-magdeburg.de
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Institut für Politikwissenschaft
Zschokkkestr. 32, Pf. 4120, D-39016 Magdeburg, Tel. 0391/6716691