Geschwister-Scholl-Institut für Politikwissenschaft (GSI)
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Neues Projekt: Strategien gegen Rassismus. Vorurteilssensible und rassismuskritische Bildung

09.03.2017

Das Projekt „Den Menschen im Blick – souverän im Alltag und professionell im Ernstfall. Vorurteilssensible und rassismuskritische Bildung“ reagiert auf den gewachsenen Bedarf in vielen Institutionen, Antworten auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen zu finden, Menschen vor Diskriminierung zu schützen und menschenfeindliche Orientierungen in die Schranken zu weisen.

Zentrales Ziel des Projektes ist es, Grundlagen und praktisches Material dafür zu schaffen, Führungskräfte und Mitarbeitende von staatlichen und zivilgesellschaftlichen Institutionen zu befähigen, souverän und professionell mit Beschäftigten und Klientinnen in einer zunehmend diversen Gesellschaft umzugehen und sie fit zu machen für einen sicheren Umgang mit rassistischen und andere menschenfeindlichen Orientierungen. Zielinstitutionen sind: Verwaltungen, Polizei, Kirchen, Gewerkschaften, Wohlfahrtsverbände. Für die Entwicklung der Schulungen werden – je nach Zweckmäßigkeit und Kapazitäten - engere Kooperationen mit einzelnen Institutionen ausgelotet.

Der zweite Schwerpunkt des Projekts liegt in der Etablierung einer Onlineplattform. Hier werden internationale und interdisziplinäre Forschungsbefunde zum (Umgang mit) Rassismus vorgestellt und diskutiert, Erfahrungen aus der Alltagspraxis dargestellt sowie Projektergebnisse (pädagogische Handreichungen, Schulungsmodule und multimediale Materialien) zur Verfügung gestellt.

Hintergrund

„Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich und haben ohne Diskriminierung Anspruch auf gleichen Schutz durch das Gesetz.“ Solche oder ähnliche Sätze beinhalten heute – nach der schmerzlichen Erfahrung von Gewaltherrschaft wie dem Nationalsozialismus, Vertreibung und Krieg – internationale Vereinbarungen und zahlreiche nationale Verfassungen. Jeder Mensch gilt jenseits von tatsächlichen oder vermeintlichen Zuschreibungen – ob diese nun nationaler, ethnischer, religiöser, sexueller, kultureller oder sonstiger Art sind – als gleichwertig.

Rassismus und andere Formen der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit hingegen untergraben die Zielsetzung internationaler Abkommen ebenso wie die Fundamente der liberalen Demokratie, sie stehen den Menschenrechten entgegen und gefährden den gesellschaftlichen Frieden. Sie richten sich gegen eine faire, friedliche und integrative Gesellschaft, aber auch gegen die Freiheit des Einzelnen eigene Lebensentwürfe zu verwirklichen. Zudem sind sie Ausdruck einer mangelhaften Kultur demokratischer Partizipation.

Von Rassismus betroffen können deutsche Bürgerinnen, in Deutschland lebende Ausländer und Neu- oder vorübergehend Zugezogene sein: Ihnen können Vorurteile oder Feindseligkeiten aufgrund ihrer vermeintlich nicht-deutschen Herkunft entgegenschlagen. Abwertende Einstellungen gegen Menschen, etwa wegen ihrer Hautfarbe oder Sprache, bilden den aggressiven Ausgangspunkt menschenfeindlicher Agitation und auch handfester Gewalt. Angesichts des erheblichen Ausmaßes an rassistischen und sonstigen menschenverachtenden Straf- und Gewalttaten, die in Deutschland dem Rechtsextremismus, der politischen Kriminalität und jüngst auch der Vorurteilskriminalität zugeordnet werden, stellt Rassismus in Deutschland aktuell auch ein Sicherheitsproblem dar.

Die deutsche Gesellschaft wird insgesamt immer vielfältiger und die Bürger tendenziell weltoffener. Dennoch, die gegenwärtigen gesellschaftlichen Herausforderungen sind nicht unerheblich: Alltagsrassismus, neu entbrannte rassistische Diskurse, wachsende globale Flüchtlingszahlen, das Aufkommen rechtsradikaler Bewegungen wie PEGIDA, ein global sichtbarer Terrorismus, verbreitete Vorurteile, die erhöhte Anzahl rassistischer Gewalttaten und Defizite in deren Bearbeitungsqualität wie sie u.a. im Zuge der „NSU“-Aufarbeitung sichtbar wurden, sind ebenfalls Realität. Dies führt zu Unsicherheiten im Umgang mit menschenfeindlichen Verhaltensweisen.

Weitere Informationen

Projektseite "Den Menschen im Blick – souverän im Alltag und professionell im Ernstfall. Vorurteilssensible und rassismuskritische Bildung"

Team

Dr. Britta Schellenberg (Projektleiterin), Gabriele von Rauch (Mitarbeiterin), Patrick Mayer (Webmaster)

Das Projekt läuft ab sofort über drei Jahre (bis Ende 2019). Es wird im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ vom BMFSFJ gefördert.